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Vom Winde verweht ...

"Zugegeben - ein Grüner im klassischen Sinne bin ich nicht! Ich brauche Strom für dies und das, fahre Auto wie die meisten und habe eigentlich kein Verständnis, wenn man für die Eliminierung eines Bonsai auf eigenem Grund und Boden beim Bauamt eine Bewilligung einholen muss ...

Wenn ich aber die laufende Schwyberg-Debatte im Zusammenhang mit den geplanten Riesenmasten und Rotoren mit 80 Meter Durchmesser betrachte, dann haut es mir schnell den Nuggi raus. «Windpark» nennt man dies - natürlich und umweltfreundlich - und also ziemlich verlogen.

Während einheimische Protagonisten das ganze Gebiet als Naturpark - ruhig und sanft mit Erholung pur in einheimischer Natur - verkaufen, sind es überraschend die gleichen Kreise, welche diesem fatalen Eingriff in ein gewachsenes Landschaftsbild zustimmen. Wenn dann noch öffentlich erklärt wird, damit eine Attraktion zu schaffen, sich womöglich schon vorstellt, neben den grossräumig eingezäunten Ungetümen einen gewinnbringenden Kiosk aufzustellen und wenn ein Windrad-Tourismus zum Argument wird, dann guet Nacht am sächsi ...

Es erstaunt, dass selbst eine Milchbüechli-Rechnung nicht zu überzeugen vermag, diese pseudo-grünen Öko-Denkmäler bereits im Keime zu ersticken.

Selbst wenn in der Schweiz in 40 Jahren über tausend 140 Meter hohe Monster stehen würden, hätten wir nie mehr als einige wenige unzuverlässige Prozente des Gesamtbedarfs an Strom abgedeckt.

Ist bis zu Ihnen schon mal eine ehrliche Nettoberechnung - sprich Stromleistung abzüglich Eigenverbrauch - durchgedrungen? Stellen Sie sich vor, wie viel Energie schon nur für Produktion, Erstellung, Zufahrt, Transport der sechzigtausend Tonnen, Infrastruktur, Betrieb und Service und womöglich für die Enteisung im Winter und Räumung der toten Vögel (in Deutschland pro Jahr über eine Million) gebraucht werden. Ich fordere die Spezialisten auf, diese Zahlen mal öffentlich aufzulisten. Haben es denn die Elektrizitätswerke nötig, einen solch unverhältnismässigen Eingriff in die Natur durchzustieren, der nur als energiepolitischer Glaubensersatz herhalten muss?

Warum um Himmels Willen werden die 55 Millionen nicht in Stromspar-Projekte investiert? Wie wärs, wenn die Investoren zu Weihnachten jeden Haushalt gratis mit Sparlampen und Standby-Ausschaltgeräten ausstatten und gleichzeitig mit griffiger Werbung die Leute zum Stromsparen animieren? Wussten Sie, dass die Optimierung der öffentlichen Beleuchtung in der Schweiz mit möglichen Massnahmen etwa 125 Windrad-Produktionen entsprechen würde!

Noch kann ich aus meinem Büro beim Schreiben dieser Zeilen den herrlichen Schwyberg mit seiner natürlichen Schönheit und die ihn einrahmenden Voralpen betrachten. Es stellt mir die wenigen Haare zu Berge, wenn ich mir vorstelle, dass dort oben ein permanentes Sausen herrschen soll und der Horizont von neun sich drehenden und rot blinkenden Ungetümen unterbrochen wird - nur damit ein paar Nullkommapromille mehr Strom ins Netz fliessen!

Dann schalte ich doch lieber den Computer und das Licht aus, bevor es mir ablöscht."

Heinz Pfander*

Düdingen, 28 octobre 2010


Source et original : courrier des lecteurs, Freiburger Nachichten


* Heinz Pfander, Unternehmer in Düdingen, ist Inhaber der ATEC Personal AG und von REGA-TEXT TV. Als Mitglied des Gewerbeverbandes Sense ist er in einem FN-Kolumnistenkollektiv tätig, das in regelmässigem Rhythmus frei gewählte Themen bearbeitet.